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Intersubjektivität und verkörperter Objektgebrauch im sozialen Lernen gesunder und psychisch belasteter Kleinkinder

Mitarbeiter: A. Eydam (TU München), Prof. Dr. P. Henningsen (TU München), Dr. E. Nurmsoo (University of Kent, UK). S. Aberl (TU München), Emily Newton-Tanzer

Jeder Mensch besitzt die Fähigkeit von Anderen durch Beobachtung zu lernen. Besondere Bedeutung für das Lernen kommt dabei der Imitation zu: dem Nachahmen einer Handlung zur Erreichung eines Handlungsziels. Schon Neugeborene besitzen die Fähigkeit, Gesichtsausdrücke und einfache Handlungen zu imitieren (Meltzoff & Moore, 1977). Die Theorie der „Natürlichen Pädagogik“ (Natural Pedagogy) beschreibt, dass Menschen bestimmte Hinweisreize geben – wie z.B. den Anderen beim Namen zu nennen und mit dem Finger auf ein Objekt zu zeigen – um Andere explizit zu unterrichten. Diese Hinweisreize lösen bei dem Lernenden die Erwartung aus, dass eine Demonstration kulturell wichtigen und generalisierbaren Wissens folgen wird (Csibra & Gergely, 2009). Der normative Ansatz dagegen beschreibt, dass Lernen für Kinder regelgesteuert ist. Dies wird aus der experimentellen Beobachtung abgeleitet, dass Vorschulkinder deutlichen Protest zeigen, wenn eine Handlung von der Norm abweicht (Rakoczy, Warneken, & Tomasello, 2008).

Unsere bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder stark abhängig vom Kontext imitieren und lernen. Achtzehn Monate alte Kinder haben in einer Studie selektiv nur dann imitiert, wenn ein unbekannter Versuchsleiter Hinweisreize im Sinne der natürlichen Pädagogik gab. War der Versuchsleiter jedoch durch vorhergehendes Spiel bekannt, imitierten die Kinder auch, wenn keine Hinweisreize gegeben wurden. Außerdem imitierten die Kinder deutlich häufiger, wenn das Lernobjekt aus einem Werkzeug und einem Zielobjekt bestand. Beinhaltete das Lernobjekt kein Werkzeug, haben die Kinder das Ziel der Handlung häufig kopiert, jedoch eigene Handlungsmethoden verwendet (Emulation; Eydam, Leahy, & Nurmsoo, 2012). In der Forschung liegt der Fokus häufig auf Imitation, wobei die Untersuchung von Emulationslernen vernachlässigt wird.

Im Rahmen des TESIS Projektes soll diese Forschung weiter vertieft werden. Die Ziele sind:

  1. Die Erarbeitung einer Literaturübersicht zur Differenzierung von situations- und objektabhängiger Imitation, Emulation und Explorationsverhalten von Kleinkindern.
  2. Eine Untersuchung des Ausmaßes, wie die Ergebnisse von experimentellen Imitationsstudien von der Methodik, z.B. der Natur der Lernobjekte oder der Erfahrung des Kindes mit dem Versuchsleiter, abhängen.
  3. Eine Betrachtung der Unterschiede von gesunden gegenüber psychisch belasteten Kindern hinsichtlich des Objektgebrauchs und des Lernergebnisses

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